Konzept / Gestaltung / Überarbeitung
Beitrag zur Gestaltung: Letzter Stand
3. Gestaltung
Das soDA magazin setzt Highlights im Bereich der Präsentation und Reflexion zeitgemässer visuell-ästhetischer Tendenzen und überrascht seine LeserInnen mit einem sich von Ausgabe zu Ausgabe veränderndem, visuellen Reichtum. Auch die Publikation „FIAD 50“ soll die Anforderungen nach einer eigenständigen, innovativen, qualitativ hochwertigen visuellen Sprache bestmöglich erfüllen. Die Eigenständigkeit ergibt sich aus der Motivation, mit der Gestaltung auf das Spektrum an Perspektiven, die der Inhalt zur Verfügung stellt, einzugehen. Anspruch der Gestaltung ist es den Inhalt visuell treffend zu interpretieren.
Die gestalterischen Aufgaben innerhalb eines Buches sind vielfältig und lassen sich grob in zwei Felder einteilen: Die Gesamtkonzeption hat zur Aufgabe, einen visuellen Rahmen zur Verfügung zu stellen, in dem ausgewählte kreativ-tätige Akteure in unterschiedlichster Form, wie etwa Illustration, Informationsgrafik, Typografie oder fotografisch ihren Beitrag leisten können. Die Zusammenarbeit von marokkanischen und Schweizer GestalterInnen und KünstlerInnen sorgt für visuelle Nahrung. Ebenso soll das Buch eine Plattform für die Ergebnisse der Workshops an den Designhochschulen innerhalb der Fès Studies darstellen. Aufgrund des grossen Spektrums an möglichen Formen der Beiträge werden verschiedene „Systeme“ eingesetzt. Diese treten innerhalb des Buchs in gegenseitige Kommunikation – überlagern und reiben sich mit den Beiträgen und sich selbst, werden von Akteuren überspielt, orientieren sich visuell gegen Marokko oder in Richtung Schweiz, etc. Die daraus entstehende Vielfalt wird zum roten Faden. So setzt die visuelle Sprache die Thematik um und schafft das Potenzial für eine komplexe, experimentelle, visuelle Lösung.
Der zweite hier aufzuführende Bereich der Gestaltung bezieht sich auf Detail-Lösungen im Bereich der Typografie. Während die Gesamtkonzeption als Makro-Ebene von den BetrachterInnen zuerst wahrgenommen wird, öffnet sich die Tür zur Mikro-Ebene erst beim genaueren hinsehen, wirkt sich aber entscheidend auf die Ästhetik des Buchs und somit den Gesamteindruck beim Leser oder Leserin aus. Innerhalb dieses Feldes trifft man auf eher klassische Fragen zur Buchgestaltung, wie etwa die Fixierung von Zeilenabstand, Zeilenlänge, Grauwert und zu verwenden Satzzeichen. Aber auch die von uns fokussierte Frage nach den richtigen Schriften lässt sich hier verorten. Diesbezüglich kann eine Neugestaltung einer oder mehrerer Schriften für spezielle Funktionen innerhalb des Buchs nicht ausgeschlossen werden.
Die grösste Herausforderung für die Gestaltung stellt jedoch die Differenz zwischen den beiden unterschiedlichen Kulturen: Marokko (als Vertreter der arabischen Welt) und der westlichen Welt dar. Diese tritt am deutlichsten in den verschiedenartigen Zeichensystemen in Erscheinung und spannt sich über Bereiche der Semiotik und Semantik bis hin zu Material und Produktionstechnik. Im Bereich der Typografie kann auf diese Weise der Einsatz arabischer Zeichen zum Symbol für eben diese Differenzen und die zugehörige, kreative Überwindung derselben werden. Schrift und Typografie werden zusätzlich durch die Mehrsprachigkeit zu einem fokussierten Gegenstand. Das Gesamtkonzept will dabei, wie oben beschrieben, die inhaltliche Vision des FIAD unterstützen und kombiniert Strukturen und Ästhetiken einer westlichen Publikation des Typus „Jubiläumsband“ mit Gestaltungselementen, die dem kulturellen Kontext und dem damit verbundenem visuellen Archiv Marokkos entstammen. Visuelle Phänomene werden ihrem kulturell-historischen Kontext entnommen und kommen neu-interpretiert, transformiert und kombiniert zum Einsatz: „Schweizer Typografie trifft auf arabisches Ornament.“
Das Grundprinzip, dem Inhalt gerecht zu werden, wird auch materiell und fertigungstechnisch weiterverfolgt. So werden möglichst viele Fertigungsschritte innerhalb des Produktionsprozess der Publikation von lokal existierenden Produktionsstätten übernommen werden oder etwa in innovativer Zusammenarbeit mit Schweizer Firmen entstehen. Dabei wird das überdurchschnittlich enge Netzwerk an Druckmedien-Produzenten in Marokko, die sich hauptsächlich im Bereich des Zeitungsdrucks ausmachen lassen, ausgenützt werden. Aus der typischen Herstellung und den verwendeten, möglicherweise aufgefundenen Materialien resultiert eine Ästhetik, die den westlichen Betrachter zu befremden vermag und seine bisherigen Annahmen und Erwartungen bezüglich Form, Kultur und Wert hinterfragen lässt. Auch die inhaltliche Gliederung der Publikation lässt sich visuell oder materiell (etwa in Form von Papier, Format oder Layout) Verankern.